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Isaac B. Singer: Massel und Schlamassel, gelesen von Johannes Steck

Jo­hannes Steck ist ein Spre­cher, dem man ge­nuss­voll stun­den­lang zu­hören kann, ohne dabei je in Ge­fahr zu ge­raten, abzu-schweifen. Ob­wohl die Stimme sehr mar­kant ist, wirkt sie nie auf­dring­lich. Dass seine pro­fes­sio­nelle Leis­tung als Spre­cher das Ur­teil „starke Stimme“ mit Fug und Recht ver­dient, mag auch mit seinen per­sön­li­chen Er­fah­rungen als Re­gis­seur von mehr als 40 Hör­bü­chern und -spielen zu­sam­men­hängen. Steck weiß, wie man eine li­te­ra­ri­sche Vor­lage insze­niert und tech­nisch so rea­li­siert, damit sie zu einem Hö­rer­lebnis erster Güte wird.

Mit Jo­hannes Steck als Er­zähler einer tur­bu­lenten Ge­schichte aus der Feder des Li­te­ra­tur­no­bel­preis­trä­gers Isaac B. Singer und dem erst­klas­sigen Klez­me­ren­semble „Kol­simcha – The World Quin­tet“ ist Mar­tina Deppe-Spi­nelli, der Re­gis­seurin und Pro­du­zentin der Pro­duk­tion „Massel und Schla­mas­sel“, ein großer Wurf ge­lungen. Steck schenkt Sin­gers Mär­chen, das eine Wette zwi­schen den beiden Geis­tern Massel (Glück) und Schla­massel (Un­glück) be­han­delt, genau jene Viel­stim­mig­keit und -deu­tig­keit, die der große jü­di­sche Er­zähler mit seinen Ge­schichten für Kinder stets be­ab­sich­tigt hat. Ob­schon die Texte für Kinder leicht ver­ständ­lich sind, werfen sie in der Regel große Fragen und exis­ten­zi­elle Themen auf. Hoch an­zu­rechnen ist der tech­nisch bril­lanten Pro­duk­tion auch, dass der Spre­cher den jid­di­schen Duktus, der Sin­gers Werk so un­ver­wech­selbar macht, über­zeu­gend mar­kiert. Ihr Üb­riges tun die her­vor­ra­genden Mu­siker von Kol­simcha, deren Band­name Kol (= Stimme), Simcha (= Freude) Pro­gramm ist. Die aus­drucks­starken, vir­tuos dar­ge­brachten Me­lo­dien zeichnen hohe Emo­tio­na­lität und spie­le­ri­sche Leich­tig­keit aus. Das ent­spricht dem Text, der hu­mor­volle und me­lan­cho­li­sche Seiten hat.

Sin­gers mär­chen­hafte Ge­schichte be­rührt kleine und große Herzen. Man spitzt die Ohren, wenn Steck er­zählt, wie sich der arme, un­glück­se­lige Bau­ern­bur­sche na­mens Tarn dank Mas­sels Un­ter­stüt­zung zu einem Glückspilzen son­der­glei­chen ent­wi­ckelt. Er ero­bert nicht nur das Herz der rei­zenden Prin­zessin Ne­sika, er kann zudem die Gunst des Kö­nigs ge­winnen und sich gegen den in­tri­ganten Pre­mier­mi­nister Kamzan durch­setzen. Dann al­ler­dings schlägt wieder Schla­mas­sels Stunde, der in einer ein­zigen Se­kunde alles zer­stört, was sich Tarn mit Mas­sels Zutun in einem Jahr auf­ge­baut hat. Es scheint, als würde Massel die Wette ver­lieren… Dass sich die Ge­schichte doch zum Guten wendet, ist ver­mut­lich nicht al­lein Schla­mas­sels Trunk­sucht zu­zu­schreiben. Be­deu­tung dabei dürfte auch der Glücks­bringer haben, der in Form einer kleinen Massel-Holz­figur dem lie­be­voll pro­du­zierten Hör­buch je­weils bei­liegt.

Jo­hannes Steck liest "Massel und Schla­massel", ucello

Siehe dazu auch das Ge­spräch mit dem "Hör­buch-Ma­cher" Jo­hannes Steck (Au­toren-Ge­spräche)

 

Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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