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Manja. Ein Roman um fünf Kinder von Anna Gmeyner


Ein ein­drucks­volles Zeit­do­ku­ment von li­te­ra­ri­scher Güte ist "Manja" von Anna Gmeyner. Den Roman um fünf Kinder ver­fasste die ös­ter­rei­chi­sche Au­torin, die sich in Deutsch­land vor 1933 einen Namen als Dra­ma­ti­kerin ge­macht hatte, im eng­li­schen Exil. Er er­schien unter dem Pseud­onym Anna Reiner 1938 beim Que­rido-Verlag in Ams­terdam, wurde bei Er­scheinen in der deut­schen Exil­presse kon­tro­vers dis­ku­tiert und ins Eng­li­sche, Nie­der­län­di­sche und Schwe­di­sche über­setzt.

Das Cover der Ori­gi­nal­aus­gabe bei Que­rido (c) per­sona verlag

2003 brachte Per­se­phone Books in London eine neue eng­li­sche Über­set­zung heraus, für die Anna Gmey­ners Tochter, die eng­li­sche Best­sel­ler­au­torin Eva Ib­botson (geb. 1925 in Wien) ein Vor­wort bei­steu­erte. - Die deut­sche Erst­aus­gabe be­sorgte Li­sette Buch­holz, die auf die in Ver­ges­sen­heit ge­ra­tene Au­torin durch eine per­sön­liche Emp­feh­lung von Fritz Lands­hoff, dem ehe­ma­ligen Leiter der deutsch­spra­chigen Ab­tei­lung des Que­rido-Ver­lags, auf­merksam ge­worden war.

Da die Rechts­lage un­ge­klärt und über den Ver­bleib der Au­torin nichts be­kannt war, in­se­rierte Buch­holz im New Yorker "Aufbau" und in der Lon­doner Zeit­schrift "AJR In­for­ma­tion": "Anyone with in­for­ma­tion about the German exile writer Anna Reiner?" – "Manja" er­schien 1984. Die Her­aus­gabe legte den Grund­stock für den per­sona verlag, der sich seither dem Ziel ver­schrieben hat, un­be­kannt ge­blie­bene Texte aus dem Exil 1933 - 1945 zu­gäng­lich zu ma­chen.

Der Roman, an dem Gmeyner zwi­schen 1934 und 1938 ge­ar­beitet hat, schil­dert die ge­sell­­schaft­li­chen Ent­wick­lungen zwi­schen 1920 und 1934 in einer Stadt ir­gendwo in Deutsch­land. Im Zen­trum steht die Ge­schichte einer Freund­schaft zwi­schen fünf Kin­dern aus Fa­mi­lien un­ter­­schied­li­chen so­zialen Mi­lieus: Karl ent­stammt einer klas­sen­be­wussten Pro­le­ta­ri­er­fa­milie, Heini dem li­be­ralen, hu­ma­nis­tisch ge­bil­deten Bür­gertum, Franz dem so­zial ver­fal­lenden Klein­bür­ger­tum, der Halb­jude Harry dem rei­chen Groß­bür­gertum und Manja einer armen, ost­jü­di­schen Ein­wan­de­rer­fa­milie. Anna Gmeyner er­weist sich nicht nur als eine Er­zäh­lerin von Format, son­dern auch als vor­züg­liche Chro­nistin ihrer Zeit. "Manja" legt be­ein­dru­ckend Zeugnis vom Alltag im Um­feld eines er­star­kenden Na­tio­nal­so­zia­lismus ab. Über­zeu­gend lässt die Au­torin ein viel­schich­tiges per­so­nelles En­semble le­bendig werden. Ihr Zeitroman führt deut­lich vor Augen, wie na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ideo­logie und Pro­pa­ganda suk­zes­sive alle Be­reiche des täg­li­chen Le­bens durch­dringen. Letzt­lich werden auch die fünf Kinder in­fil­triert. Be­droht ist am Ende nicht nur deren Freund­schaft, die den bru­talen neuen Ge­setzen nicht stand­hält. Das Mäd­chen Manja zer­bricht unter dem Druck.

Anna Gmeyner: Manja. Ein Roman um fünf Kinder, per­sona verlag

Siehe dazu auch das Ge­spräch mit Iris Berben, die die Hör­buch-Ad­a­pa­tion für Hör­kultur ein­ge­lesen hat (Au­toren-Ge­spräche)

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  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
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