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Was geht mich an, warum Christine Eichel wieder betet?

{jcom­ments on}Be­kannt­lich scheut Chris­tine Ei­chel vor kämp­fe­ri­schen An­sagen nicht zu­rück. Nachdem sie sich 2006 ge­meinsam mit Eva Herman für eine neue Weib­lich­keit stark machte, 2007 im Best­seller „Die Lie­bes­pflicht“ neue Fa­mi­li­en­werte pro­pa­gierte, plä­diert sie nun für eine Re­naissance des Glau­bens und des Be­tens. Das tut sie in ihrem ak­tu­ellen Sach­buch „Warum ich wieder bete“ aus der Sicht einer en­ga­gierte Christin, die nach langer Ab­sti­nenz zu dem Glauben zu­rück­ge­funden hat, der in ihrem El­tern­haus, einem evan­ge­li­schen Pfarr­haus, ge­lebt wurde.

Ihr Be­kenntnis ist ein­ge­bettet in eine re­li­giöse Bio­grafie, die in vie­lerlei Hin­sicht ty­pisch für Ei­chels Ge­ne­ra­tion ist. 1959 ge­boren, kommen ihr mit der Ab­lö­sung vom El­tern­haus und dem Stu­dium, das sie in Ham­burg Ende der Sieb­ziger Jahre auf­nimmt, Gott und der Bezug zu den christ­li­chen Ri­tualen ab­handen. An die Stelle von Heils­ver­spre­chen tritt ein re­flek­tierter He­do­nismus, dessen Kum­pane Zweifel und Zy­nismus sind. Mit der Ge­­burt des Sohnes 1997 findet sich uner­wartet eine Brücke, die wieder zu den christ­li­chen Wur­zeln zu­rück­führt. An­fangs pflegt Ei­chel noch einen ra­dikal in­di­vi­dua­lis­ti­schen Glauben, den sie als In­tel­lek­tu­elle in­so­fern schätzt, als er sich der herr­schenden Kultur eines ober­fläch­li­chen Ra­tio­na­lismus ent­zieht. In dem Maße je­doch, in dem sie für sich er­kennt, dass Glauben von ge­sell­schaft­li­cher Re­le­vanz sein muss, wendet sie sich von ihrer so­lis­ti­schen Fröm­mig­keit ab. Heute ver­tritt sie einen en­ga­gierten Glauben, der aus christ­li­cher Per­spek­tive Ein­spruch er­hebt.

Dass sich Ei­chel mit Ve­he­menz als "Bet­schwester" outet, mag ir­ri­tieren. Doch mit ihrer per­sön­li­chen Glau­bens­bio­grafie for­mu­liert sie zu­gleich eine de­zi­dierte Kritik am pos­t­ideo­lo­gi­schen Zeit­alter und dessen Kultur der Unei­gent­lich­keit. Ebenso poin­tiert wie über­zeu­gend legt sie die Ur­sa­chen dar, warum Re­li­gio­sität und Gebet in den ver­gan­genen Jahr­zehnten ta­bui­siert wurden. Fast ne­benbei ent­steht dabei eine kleine Kul­tur­ge­schichte der BRD. – Man mag Chris­tine Ei­chels ve­he­mentes Plä­doyer für eine Re­ha­bi­li­ta­tion des Glau­bens für eine At­ti­tüde halten. Ihre ge­schlif­fene Kritik an und einer ver­brei­teten, mitt­ler­weile selbst ideo­lo­gisch er­starrten Hal­tung des "Any­thing goes" ist si­cher­lich alles an­dere als das. – Tat­säch­lich leistet dieser scharf­sin­nige Essay, der be­wusst po­la­ri­siert, einen be­deu­tenden Bei­trag zur Wer­te­de­batte.

Chris­tine Ei­chel: Warum ich wieder bete, Gü­ters­loher Ver­lags­haus

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  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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