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Wer ist Anselm?

Pater An­selm Grün, Be­ne­dik­tiner und Best­sel­ler­autor, ist po­pulär – quasi ein Pop­star in Mönchs­kutte. Man weiß von ihm, dass er die Kunst der Men­schen­füh­rung gemäß der De­vise "Führen mit Werten" nach der Regel des Hl. Be­ne­dikt von Nursia lehrt. Be­kannt ist au­ßerdem, dass er als Cel­lerar, als Leiter der Wirt­schafts­be­triebe seines Klos­ters, die Ver­ant­wor­tung eines mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­mers trägt. Na­hezu per Du mit ihm sind Mil­lionen Leser, da Grün mit mitt­ler­weile rund 300 Bü­chern und einer welt­weiten Auf­lage von 14 Mil­lionen einer der be­­deu­tendsten christ­li­chen Schrift­steller der Ge­gen­wart ist. Über Jahre aus­ge­bucht ist der Pater zudem als geist­li­cher Be­rater, Kurs­leiter und Re­fe­rent.

Ob­schon An­selm Grün seit Jahr­zehnten im Licht der Öf­fent­lich­keit steht, weiß man über die Pri­vat­person eher wenig. Diese Lücke schließt Freddy Der­wahl mit der ersten um­fas­senden Bio­grafie "An­selm Grün. Sein Leben". Der­wahl por­trä­tiert den Mann und Men­schen im Mönch, den nicht nur Fragen, son­dern bis­weilen herbe Zweifel plagten.

Auf der Grund­lage vieler Ge­spräche, die der Bio­graf mit Per­sonen aus dem nahen Um­feld Grüns führte, er­lebt der Leser den Men­schen An­selm hautnah. Ein um­fang­rei­cher Bild­teil, der per­sön­liche Mo­ment­auf­nahmen aus Grüns Leben prä­sen­tiert, er­laubt es, mit dem po­pu­lären Zeit­ge­nossen gleichsam unter vier Augen Be­kannt­schaft zu schließen. Le­bensnah und au­then­tisch wirkt das Por­trät nicht zu­letzt da­durch, dass Freddy Der­wahl An­selm Grün über Wo­chen durch den Alltag im Kloster und auf Vor­trags­reisen be­glei­tete. Dass sich aus den zahl­rei­chen Be­geg­nungen ein na­hezu ver­trau­li­ches Ver­hältnis ent­wi­ckelte, merkt man dem schnör­kellos ge­schrie­benen Buch an, das von Re­spekt und Sym­pa­thie ge­tragen ist. Freddy Der­wahl ist es ge­lungen, einem öf­fent­lich zwar sehr be­kannten, aber den­noch äu­ßerst be­schei­denen Mönch na­he­zu­kommen, dem nichts ferner liegt als Ge­wese um die ei­gene Person.

Für Kenner und Lieb­haber des Grün‘schen Werks er­schließt sich ein geistig-spi­ri­tu­eller Ho­ri­zont, der be­ein­druckt. Ob Karl Rahner, C.G. Jung oder der Trap­pis­ten­mönch Thomas Merton – es waren viel­fach Quer­denker, die den Be­ne­dik­tiner auf seiner Suche nach der ur­ei­genen Sen­dung in­spi­rierten. Zweifel, ob nicht die Na­tur­wis­sen­schaften oder gar die Zu­nei­gung zu einer Frau per­sön­lich an­ge­mes­sener seien als ein Leben als Mönch, plagten ihn wäh­rend der langen Aus­bil­dung immer wieder. Harte Prü­fungen boten zudem die Dis­kus­sionen in­folge des Zweiten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zils und das No­vi­ziat in Müns­ter­schwarzach, wo Grün be­reits das frühe Auf­stehen vor fünf Uhr schwer fiel. Ein­schnei­dend war die Krise im ei­genen Kloster, mit der eine spek­ta­ku­läre Austritts­welle von Or­dens­brü­dern ein­her­ging. Auch das An­sinnen des Abts, ein Stu­dium der Be­triebs­wirt­schaft auf­zu­nehmen, um sich auf die Funk­tion des wirt­schaft­li­chen Ver­wal­ters der Abtei vor­zu­be­reiten, sorgte bei Grün, der sich eher zur Mis­si­ons­ar­beit be­rufen fühlte, für Ir­ri­ta­tionen. – Dass die Krisen den Be­ne­dik­tiner letzt­lich nur be­stärkten, be­zeugt diese span­nende Bio­grafie.

Freddy Der­wahl: An­selm Grün. Sein Leben, Vier-Türme-Verlag
 

Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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