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Vom Umgang mit sturen Eseln und beleidigten Leberwürsten - Wie Sie Konflikte kreativ lösen

Kennen Sie das? Sie wollten je­manden le­dig­lich auf einen kleinen Fehler auf­merksam ma­chen und der an­dere über­rascht Sie mit seiner Re­ak­tion. Viel­leicht be­ginnt er so­fort zu streiten, ant­wortet mit einem "dummen" Kom­mentar oder macht sich über Ihr An­liegen lustig. Und schon ist der Kon­flikt da! Meist ge­rieren wir uns dann als Mi­mose oder als Streit­hahn. Wir schlagen Por­zellan ka­putt und Türen zu, greifen zu Ver­bal­in­ju­rien oder mimen den sturen Esel bzw. die be­lei­digte Le­ber­wurst. Dass auf­ge­wühlte Emo­tionen kei­nes­wegs ge­eignet sind, um kon­flikt­be­la­dene Si­tua­tionen zu ent­schärfen, kommt uns im Zu­stand der Rage na­tür­lich nicht in den Sinn. Im Ge­gen­teil: Wir be­harren auf un­serem Recht und ar­beiten uns auf der Be­zie­hungs­ebene ab, wor­über die Sa­che­bene völlig aus dem Blick gerät. Ob Be­wer­tungs-, Ver­tei­lungs-, Werte-, Rollen- oder Be­zie­hungs­kon­flikt: Be­kannt­lich ver­liert man in sol­chen Si­tua­tionen lieber den Kopf als sein Recht ... Wobei das Fa­tale an Strei­tig­keiten ist, dass sie so lange emo­tional es­ka­lieren, so­lange wir uns nicht um eine klare Sicht darauf be­mühen.

Wie man die ver­zwickte Dy­namik durch­bre­chen, wieder ein kühles Köpf­chen ge­winnen und Kon­flikte kon­struktiv sowie kräf­te­spa­rend an­gehen kann, er­ör­tert Ur­sula Wa­wr­zinek auf un­ter­halt­same und leicht les­bare Weise.

Dabei kommt ihrem Buch "Geht’s noch?!" das Ver­dienst zu, dass keine all­ge­mein gül­tigen Kon­flikt­ma­na­ge­ment-Ratschläge dar­­ge­boten werden. Viel­mehr lotet Wa­wr­zinek Streitig-keiten im Alltag und Be­rufs­leben dif­fe­ren­ziert und psy­cho­lo­gisch ver­siert aus. Das kom­plexe Thema, das sich auf einer Band­breite von kleinen Är­ger­nissen bis hin zu schweren emo­tio­nalen Be­las­tungen ab­­spielt, packt die Au­torin in­so­fern di­rekt an der Wurzel an, als die tief­lie­genden Ur­sa­chen und Aus­löser für Kon­flikte Schritt für Schritt ge­klärt und die emo­tio­nalen Re­ak­ti­ons­muster ana­ly­siert werden, die einer Kon­flikt­lö­sung ent­ge­gen­stehen. Da­durch ge­winnt der Leser eine an­dere Sicht auf Kon­flikte. Damit einher geht, dass er kon­struk­tive Lö­sungs­kom­pe­tenzen für un­ter­schied­liche Kon­flikt­fälle ent­wi­ckelt. Das Buch be­sticht dabei durch die Art, in der es seine psy­cho­lo­gisch hoch kom­plexe Ma­terie stets all­ge­mein­ver­ständ­lich durch­­dringt, ohne mit allzu flotten Ver­ein­fa­chungen in­halt­liche An­sprüche zu un­ter­bieten.

Dreh- und An­gel­punkt ist ein in der Praxis be­währtes Trai­nings­pro­gramm, das dazu bei­­trägt, per­sön­liche Hand­lungs­mög­lich­keiten im Kon­flikt­fall mit­tels ef­fek­tiver Tech­niken zu er­wei­tern. Nicht zu­letzt macht Wa­wr­zinek be­wusst, dass wir Kon­flikten nicht bei­kommen können, wenn wir uns bei der Schuld­frage auf­halten. Ein Streit ums Recht be­lastet immer die Be­zie­hung! Und da wir einer mög­lichst in­takten Be­zie­hungs­ebene be­dürfen, wenn wir Kon­flikte lösen wollen, ist es bei strit­tigen Fällen ein Gebot der Stunde, von Feind­se­lig­keiten ab­zu­sehen und den Weg der ge­ringsten Es­ka­la­tion zu su­chen. Wie das geht, lernen wir eben­falls von Ur­sula Wa­wr­zinek.

Ur­sula Wa­wr­zinek: Geht’s noch?! Vom Um­gang mit sturen Eseln und be­lei­digten Le­ber­würsten – wie Sie Kon­flikte kreativ lösen, Knaur

Siehe dazu auch: Sechs Fragen an die Kon­flikt­be­ra­terin Ur­sula Wa­wr­zinek (Au­toren-Ge­spräche)

 

Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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