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Die Kunst guter Menschenführung. Von Schafen, Weiden und Stecken oder: Die Lehren aus dem Enron-Skan

Ob­wohl "Das Hir­ten­prinzip" die hohe Schule der Per­so­nal­füh­rung be­han­delt, hat der ei­gen­wil­lige Titel nichts mit der her­köm­m­­li­chen Li­te­ratur zum Fach ge­mein. Das Buch kommt nicht ober­leh­rer­haft daher, spreizt sich nicht mit Fach­wissen und mit tro­ckenen Ma­na­ge­ment­theo­rien, braucht keinen Jargon und schon gar keine dok­tri­näre An­sprache. Der In­halt des zwar schmalen, aber umso ge­wich­ti­geren Bandes ist schnell er­zählt: Der Grand Old Man des US-Ma­na­ge­ments, der le­gen­däre Theodor Mc­Bride, der Ge­neral Tech­no­lo­gies zu her­aus­ra­genden Er­folgen ge­führt hat, lüftet dem Jun­gre­porter vom "Texas Star", Wil­liam Pentak, die Ge­heim­nisse seines un­ter­neh­me­ri­schen Er­folges. In einem ebenso geist­rei­chen wie un­ter­halt­samen Ge­spräch be­zieht er sich dabei auf die ur­alte Tra­di­tion des Scha­fe­hü­tens, die ihm sein Dok­tor­vater in einem äu­ßerst pra­xis­nahen An­schau­ungs­un­ter­richt auf Farmen, Weiden und bei Vie­hauk­tionen ver­mit­telte, um ihm die we­sent­li­chen Merk­male her­vor­ra­gender Füh­rungs­kräfte zu ver­deut­li­chen. Die hohe Schule der Per­so­nal­füh­rung be­steht darin, Treue und Loya­lität bei den Mit­ar­bei­tern zu er­zeugen und diese so an­zu­leiten, dass sie sich gerne an­schließen. Das ge­lingt von leichter Hand, weil die be­mer­kens­werten Re­geln, die seit Jahr­tau­senden Gel­tung haben, ethi­schen Prin­zi­pien ver­pflichtet sind und mensch­liche Grund­be­dürf­nisse in den Vor­der­grund stellen.

Be­klem­mende Ak­tua­lität ent­wi­ckelt "Das Hir­ten­prinzip" im Wissen um den be­ruf­li­chen Wer­de­gang von Wil­liam Pentak, der einer der letzten Uni­ver­si­täts­ab­sol­venten ge­wesen ist, den der US-Ener­gie­riese Enron kurz vor seinem spek­ta­ku­lären Zu­sam­men­bruch Ende 2001 re­kru­tierte. Po­sitiv ge­wendet zieht er im Buch die Kon­se­quenzen aus einem der größten Bi­lanz­skan­dale der jün­geren US-Ge­schichte, die ihn den Job und Tau­sende von An­le­gern das Er­sparte ge­kostet hat. Die sieben Er­folgs­re­geln für gute Per­sonal-füh­rung, die ver­­­blüf­fend ein­fach, leicht nach­voll­ziehbar und letzt­lich pro­blemlos durch­führbar sind – so die Moral vor dem Fressen kommt – gei­ßeln zwei­fel­hafte Ge­schäftsprak­tiken und ein Ma­na­ge­­ment­denken, das sich nur auf die Börse und die ei­genen Vor­teile kon­zen­triert. Höchst an­schau­lich legt die span­nende Lek­türe dar, mit wel­chen kon­kreten Maß­nahmen sich ein ethi­scher Wandel in Un­ter­nehmen voll­ziehen kann. Nicht zu­letzt leistet das Buch in Zeiten, in denen der Wett­be­werb immer härter und so­ziale Si­cher­heit al­lent­halben in Frage ge­stellt wird, einen be­acht­li­chen Bei­trag, damit sich das Per­so­nal­ma­na­ge­ment be­wusst wird, dass Mit­ar­beiter nicht nur Kos­ten­fak­toren (und bei­leibe keine dummen Schafe) sind, son­dern der größte Wett­be­werbs­vor­teil, den ein Un­ter­nehmen haben kann.

Kevin Leman/Wil­liam Pentak: Das Hir­ten­prinzip. Sieben Er­folgs­re­zepte guter Men­schen­füh­rung. Mit einem Vor­wort von An­selm Bilgri. Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen über­setzt von Ber­nardin Schel­len­berger, Gü­ters­loher Ver­lags­haus

Siehe dazu auch: Ein In­ter­view mit Wil­liam Pentak (Au­toren-Ge­spräche)

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