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Sechs Fragen an die Konfliktberaterin Ursula Wawrzinek

Sie haben Be­triebs­wirt­schaft und So­zi­al­päd­agogik stu­diert. Gab es einen be­­stimmten An­lass, warum Sie sich dem Kon­flikt­ma­na­ge­ment ver­schrieben haben?
Ja, mein Aus­bil­dungs- und Be­rufsweg hat mich dorthin ge­führt. Nachdem ich im BWL-Stu­dium die Be­lange von Un­ter­nehmen ken­nen­ge­lernt hatte, be­schäf­tigte ich mich im So­zi­al­päd­agogik-Stu­dium mit den Be­langen von Men­schen. Als Per­so­nal­ent­wick­lerin ar­bei­tete ich an der Naht­stelle dieser beiden In­ter­es­sen­lagen. So­wohl die Füh­rungs­kräfte in den Un­ter­nehmen als auch die Teil­nehmer/innen in meinen Se­mi­naren suchten be­­son­ders in schwie­rigen Si­tua­tionen Rat bei mir – und das sind in der Regel Kon­flikte. Um meinen Kunden pra­xis­nahe und wir­kungs­volle Un­ter­stüt­zung an­bieten zu können, be­gann ich, das Thema Kon­flikte ver­tieft zu er­for­schen. In ent­spre­chenden Aus­bil­dungen ent­wi­ckelte sich meine per­sön­liche Kon­flikt­fä­hig­keit weiter, was mein Leben un­glaub­lich be­rei­cherte. Ich ent­deckte hinter dem Thema ein tief­grei­fendes Po­ten­zial für mehr Le­bens­­glück und ent­wi­ckelte eine Lei­den­schaft dafür, die bis heute an­hält.
Seit über 15 Jahren sind Sie als Kon­flikt­be­ra­terin tätig. Was hat Sie be­wogen, ein Buch dar­über zu schreiben?
Nach 15 Jahren theo­re­ti­scher Er­for­schung und prak­ti­scher Er­fah­rung in der Kon­flik­t­­klä­rung habe ich ein ganz­heit­li­ches Kon­zept ent­wi­ckelt, wel­ches ver­läss­lich in der Praxis funk­tio­niert. Die Be­geis­te­rung meiner Kunden und Se­minar­teil­nehmer/innen er­mu­tigte mich, ein Buch dar­über zu schreiben. Mein Ziel ist es, damit deut­lich mehr Men­schen die Mög­lich­keit zu geben, von meinen Er­kennt­nissen zu pro­fi­tieren.
Wo­durch hebt sich Ihr Titel von ähn­li­chen Bü­chern zu dieser The­matik ab?
Ich denke das sind zwei Dinge:
Ers­tens: Die Ein­fach­heit und Ver­ständ­lich­keit. Meine Kunden lesen in der Regel keine Fach­bü­cher. Es ist den meisten ein­fach zu müh­sam. Wer dann nicht die Mög­lich­keit hat, ein Kon­flikt­ma­na­ge­ment-Se­minar zu be­su­chen, dem sind wert­volle Er­kennt­nisse für den er­folg­rei­chen Um­gang mit Kon­flikten nicht zu­gäng­lich. Das ist schade, denn wir können damit unser Mi­tein­ander deut­lich un­be­schwerter ge­stalten und mehr Glück und Zu­frie­den­heit emp­finden. Nun sagt man mir nach, dass ich Theo­rien in ganz ein­fa­chen, ein­präg­samen Bil­dern aus­drücke, die leicht nach­voll­ziehbar sind und in Erin­ne­rung bleiben. So habe ich mir zum Ziel ge­setzt, ein mög­lichst leicht les­bares Buch zu schreiben, um eine breite Le­ser­schaft zu er­rei­chen.
Zum an­deren: Das Kon­zept er­fasst den ganzen Men­schen.
Zur Lö­sung un­serer Kon­flikte brau­chen wir erst einmal Wissen. Doch unser Wissen al­lein reicht nicht aus. Wir be­nö­tigen zudem die Be­reit­schaft, kri­tisch über uns selbst nach­zu­­denken, den Wunsch per­sön­lich zu wachsen, den Mut, das Ge­lernte aus­zu­pro­bieren und die Be­reit­schaft, unser Herz zu öffnen. Es war mir wichtig, un­sere mensch­li­chen Stärken und Schwä­chen so auf­zu­greifen, dass sich jeder darin er­kennen und re­flek­tieren kann, um diese ver­schie­denen Fa­cetten im Alltag zur Gel­tung zu bringen.
Wie er­klären Sie sich das Phä­nomen, dass wir über Kon­flikte nur dann nach­denken, wenn sie uns akut be­treffen?
Ich denke, das ist ein­fach mensch­lich. Einmal sind Kon­flikte un­be­liebt. Sie kosten Zeit und Kraft und sind un­be­re­chenbar. Die meisten Men­schen wollen ihnen ir­gendwie aus­wei­chen.Sind wir in einen Kon­flikt akut ver­strickt, ge­lingt uns das nicht. Un­sere auf­ge­brachten Ge­fühle lassen uns nicht zur Ruhe kommen. Somit zwingen sie uns zur Aus­ein­an­der­­set­zung. In un­serer Not denken wir dar­über nach, streiten mit dem Kon­flikt­partner und spre­chen mit Un­be­tei­ligten dar­über. So­bald der emo­tio­nale (Hoch-)Druck weg ist, ist auch der Druck zur Aus­ein­an­der­set­zung mit dem un­an­ge­nehmen Thema weg. An­dere wich­tige Themen schieben sich wieder in den Vor­der­grund. Zudem fühlen sich die meisten Men­­schen im Kon­flikt­fall im Recht und sehen die Schuld beim Kon­flikt­partner. Sie fühlen sich un­frei­willig in den Kon­flikt ver­strickt. Sie gehen dann davon aus, dass sich der an­dere än­dern müsste. Nachdem er das nicht tut, sehen sie keine Mög­lich­keit, den Kon­flikt ver­­nünftig zu lösen. Da kommt die Idee erst gar nicht auf, dass es etwas bringen könnte, wenn man selbst kon­flikt­fä­higer würde.
In Ihrem Buch schreiben Sie, dass die Zeit reif sei, unser Kon­flikt­ver­halten in der Breite der Ge­sell­schaft zu kul­ti­vieren. Was ver­spre­chen Sie sich davon?
Als ich vor gut 20 Jahren ins Be­rufs­leben ein­trat, waren Kon­flikte noch nicht „sa­lon­fä­hig“. In Un­ter­nehmen hatte man keine Kon­flikte. Zu­min­dest wollte sie nie­mand haben, sie wurden ein­fach unter den Tep­pich ge­kehrt. Das ist heute voll­kommen an­ders. Der Leis­tungs­druck in den Un­ter­nehmen ist heute so massiv, dass man sich un­ge­löste Kon­flikte nicht mehr leisten kann. In meinen Se­mi­naren er­lebe ich Men­schen, die er­kannt haben, dass sich Kon­flikte nicht mehr ver­drängen lassen. Sie wollen lernen stress­frei und er­folg­reich mit ihnen um­zu­gehen und sind be­reit, ihr ei­genes Han­deln zu hin­ter­fragen. Die Teil­nehmer/innen be­geis­tern sich im Ver­lauf eines Se­mi­nars immer mehr für das Thema. Sie er­kennen, dass Kon­flikt­lö­sung plötz­lich er­staun­lich leicht wird, wenn wir die rich­tige Sicht darauf haben. Und das ihr Leben da­durch leichter wird. Sie ver­lieren die Angst vor Kon­flikten und be­kommen Lust auf kon­struk­tive Aus­ein­an­der­set­zungen. An­ders­ar­tig­keit wird nicht länger als Be­dro­hung ge­sehen und be­kämpft son­dern ak­zep­tiert. Wir kul­ti­vieren damit un­sere Ur­pro­gramme des Hauens und Ste­chens und ver­fei­nern die Art und Weise, wie wir mi­tein­ander um­gehen. Dem Ein­zelnen wird da­durch ein glück­li­cheres Leben und für un­sere Ge­sell­schaft ein har­mo­ni­scheres Mi­tein­ander mög­lich. Ich wün­sche mir, dass mein Buch als ein lei­den­schaft­li­ches Plä­doyer für mehr Frieden im Herzen und im Um­gang mi­tein­ander ver­standen wird – ein kleiner Bei­trag zu mehr Frieden auf dieser Welt.
Eine Erste-Hilfe-Emp­feh­lung bei dro­henden Kon­flikten …
Be­merken Sie mög­lichst früh, wenn ne­ga­tive Ge­fühle auf­kommen.
Halten Sie inne. Lassen Sie den An­deren reden und richten Sie Ihre Auf­merk­sam­keit nach innen.
Achten Sie auf Ihren Atem.
Hören Sie in sich hinein: Was stört mich? Welche Ge­danken und Ge­fühle kommen auf? Wel­ches meiner Be­dürf­nisse ist un­er­füllt?
Ver­su­chen Sie, die an­ge­spannte Si­tua­tion zu be­enden bzw. zu ver­schieben.
Re­flek­tieren Sie die Si­tua­tion an­schlie­ßend in aller Ruhe und stellen Sie sich ge­dank­lich neu auf.
Su­chen Sie da­nach die Fort­set­zung des Ge­sprä­ches.

Fragen: Ge­sine von Pritt­witz, Pritt­witz & Partner, im Ok­tober 2009

 

Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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