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Eine Ehrenrettung: Einsamkeit ist schön – Solisten leben glücklich

Eine Ge­sell­schaft, die sich der Ge­sel­lig­keit ver­schrieben hat, nimmt das weit ver­brei­tete Phänomen der Ein­sam­keit – 5% bis 7% der Deut­schen leiden dar­unter – al­lein unter dem Aspekt wahr, den Zu­stand schnellstmöglich zu über­winden. Ob Kon­taktbörsen, Rat­ge­berbücher, die Te­le­fon­seel­sorge oder psy­cho­lo­gi­sche Be­ra­tungs­stellen, das Geschäft mit der ver­zwei­felten Suche nach Freunden und einem Partner boomt. Während Ein­sam­keit früher ein hohes Gut war, ge­winnt un­sere Zeit dem Al­lein­sein keine po­si­tiven Seiten ab. Mehr noch: Ein­sam­keit ist ne­gativ kon­no­tiert. Wer hier­zu­lande al­leine lebt und sich dazu be­kennt, das Al­lein­sein einer Ge­mein­schaft vor­zu­ziehen, dem haftet schnell der Makel an, ein Au­tist zu sein, der so­ziale Bin­dungen scheut und für ge­sell­schaft­liche Be­zie­hungen nicht taugt. Viel­fach geht die Stig­ma­ti­sie­rung des ein­samen Wolfes noch darüber hinaus, Ein­sam­keit als so­ziale Schwäche aus­zu­legen. So­zi­al­wis­sen­schaftler be­legen sie sogar als Ab­wei­chung von der Norm. – Of­fenbar ist Ein­sam­keit eine Art Ver­gehen, bei dem man sich besser nicht er­wi­schen lässt?
Wider den Sta­chel löckt Ma­riela Sar­to­rius, die seit ihrer Kind­heit ein­ge­fleischte Al­lein­gängerin und über­zeugte Ein­sam­keits­fa­na­ti­kerin ist. Ob­wohl die stu­dierte Psy­cho­login nicht ver­kennt, dass Formen der Ver­las­sen­heit exis­tieren, die traurig, ver­bit­tert und häufig sogar krank ma­chen, schlägt sie in ihrem Buch "Die hohe Schule der Ein­sam­keit" eine Bre­sche für das Al­lein­sein. Damit die be­droh­li­chen Formen erst gar keine Macht über die Psyche ge­winnen können, macht sie dem Miss­vergnügen an der Ein­sam­keit gründ­lich den Ga­raus.


 

Sar­to­rius sagt Trost­lo­sig­keit, Lan­ge­weile und Lar­moyanz ent­schieden ab, die mit dem Gefühl der Ver­ein­sa­mung viel­fach ein­her­gehen. Ihre Hom­mage an die Einsam­keit stellt heraus, dass dem Al­lein­sein Po­ten­ziale in­ne­wohnen, die uns be­wus­ster und womöglich sogar glück­li­cher leben lassen. Wer Al­lein­sein ge­zielt plant, im besten Fall Ein­sam­keit auf höchstem Ni­veau kul­ti­viert, der ge­winnt See­len­frieden und Selbst­be­wusst­sein. Nicht­zu­letzt schwindet die Urangst vor dem Ver­las­sen­werden, womit Frei­heitsge­fühle wachsen. Unter Be­ru­fung auf gleich­ge­sinnte Dichter und Denker führt die Au­torin ge­witzt aus, dass man Ein­sam­keit nicht leugnen oder dar­unter leiden sollte. Es gilt viel­mehr, die all­ge­meinen An­sichten darüber zu verändern. Das setzt Sar­to­rius im Buch ge­konnt um. Ihre Eh­ren­ret­tung kehrt die besten Seiten an der Ein­sam­keit heraus und ge­winnt Ein­zelgängern unzählige Tu­genden ab. – Ein­sam­keit macht sen­sibel und at­traktiv, weitet den Blick, befähigt zur Ehr­furcht, schürt Zu­nei­gung und Sehn­sucht, stärkt so­ziale und emo­tio­nale In­tel­li­genz, ent­bindet von Zwängen, schafft Freiräume, macht sor­gen­frei… . Und wer sich erst noch als All­rounder im Al­lein­gang üben will, der erfährt von der Au­torin er­probte Er­folgs­stra­te­gien.

Ma­riela Sar­to­rius: Die hohe Schule der Ein­sam­keit. Von der Kunst des Al­lein­seins, Güters­loher Ver­lags­haus

Siehe dazu auch: Ein Gespräch mit Ma­riela Sar­to­rius (Au­toren-Gespräche)

 

 

 

Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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