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Ist die Bibel prüde? Die Not mit der Liebe

Warum tun sich die bib­li­schen Schriften mit der sinn­li­chen Liebe schwer? Wo­her kommt die be­tonte Lust­feind­lich­keit, wel­chen Ur­sprung hat sie, wel­chen Zweck ver­folgt sie? Haben sich Adam und Eva im Pa­ra­dies ge­liebt? Wie ge­­staltet sich das Ver­hältnis der Ge­schlechter zu­ein­ander? Wel­ches Frau­en­bild halten die Schriften hoch? - Diesen und an­deren Ge­sichts­punkten, denen die Kir­chen lieber aus dem Wege gehen, nimmt sich Matt­hias Viertel im Sach­buch "Du sollst nicht be­gehren deines Nächsten Weib" an. Den evan­ge­li­schen Theo­logen be­schäf­tigt die Frage, ob sich die Leib- und Lust­feind­lich­keit, die sich seit der frühen Kirche im Chris­tentum eta­blieren konnte, tat­säch­lich mit der Person Jesu, seinem Han­deln und Reden recht­fer­tigen lässt. Viertel kämmt die Über­lie­fe­rungen gegen den Strich. Er er­zählt von Lie­bes­an­ge­le­gen­heiten und -be­geg­nungen im Alten und Neuen Tes­ta­ment, ent­schlüs­selt, was sich in den Texten jen­seits ihrer His­to­ri­zität ver­birgt und schlägt einen Bogen zur Phi­lo­so­phie von Platon bis zur Mo­derne. 12 fach­kun­dige Essays legen den Ge­danken nahe, dass die Ent­halt­sam­keitsethik, die die Aus­le­gung lehrt(e), le­dig­lich ein halt­loses Kon­strukt ist, um die Not nicht ent­blößen zu müssen, die die Re­li­gion fak­tisch mit der Liebe hat.

Die le­sens­werte Studie of­fen­bart, dass die Bibel reich­lich un­ver­krampft zur Sache kommt und dass das Chris­tentum nicht immer das ge­lehrt hat, was in der Bibel über Sin­nes­freude und Sinn­lich­keit steht. Ob das "Hohe Lied Sa­lomos", Ja­kobs Kampf um Rahel oder König Da­vids Be­gierden – tat­säch­lich schil­dern die bib­li­schen Schriften die kör­per­liche Liebe recht un­ver­blümt. Man muss es le­dig­lich ver­mögen, sich beim Stu­dium der Texte von den Aus­le­gungen zu be­freien, die Leib und Seele ka­te­go­risch von­ein­ander trennten, um ein be­rei­nigtes, d.h. ein reines Lie­bes­ver­ständnis pos­tu­lieren zu können.

Matt­hias Viertel: Du sollst nicht be­gehren deines Nächsten Weib. Ge­liebte der Bibel, Kreuz Verlag

 

Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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