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Antigone - Ein Hörspiel inszeniert von Johannes Steck und Lutz Schäfer

Ob Men­dels­sohn, Scar­latti, Orff, Eu­ri­pides, Höl­derlin, Hof­mannsthal, Ha­sen­clever, Coc­teau oder Anouilh – der my­tho­lo­gi­sche Stoff über eine 20-Jäh­rige, die sich wei­gert, zur Ja-Sa­gerin zu werden, be­schäf­tigt Künstler seit So­pho­kles Erst­ling. Fri­schen Wind in den zeit­losen Stoff aus der An­tike bringt ein Hör­spiel nach der An­ti­gone-Be­ar­bei­tung durch Jean Anouilh. Die Fäden zu­sammen hält Jo­hannes Steck, der mit der Ad­ap­ta­tion den Be­weis an­tritt, dass er nicht nur ein vor­züg­li­cher Spre­cher, son­dern auch ein groß­ar­tiger Re­gis­seur ist, der sich darauf ver­steht, einem an­tiken Stoff neue Seiten ab­zu­ge­winnen. Ihm zur Seite als Re­gis­seur steht Lutz Schäfer und eine erst­klas­sige Spre­cher­riege, die dem tra­gi­schen Stoff eine fri­sche, bis­weilen freche Note gibt.

Die Insze­nie­rung, die ge­konnt mit Musik, Ge­räuschen und Ver­frem­dungs­ef­fekten spielt, sorgt dafür, dass sich der Hörer im Ge­schehen ver­liert. Er ver­gisst Zeit und Raum und wähnt sich im Theater, wo Cha­rak­ter­dar­steller ein her­aus­ra­gendes Stück geben, durch das Jo­hannes Steck als ein­fühl­samer Er­zähler und all­wis­sender Kom­men­tator führt. Als An­ti­gone, die ihren Trotz mit dem Leben be­zahlt, be­sticht Carin C. Tietze. Den Zwie­spalt zwi­schen Pflicht­ge­fühl und Her­zens­wärme nimmt man Diet­rich Hol­lin­der­bäumer in der tra­gi­schen Rolle des al­ternden Kreon ab. Matt­hias Deu­tel­moser über­zeugt als Haimon in der Rolle des ju­gend­li­chen Lie­b­ha­bers, der am Ende gegen den ei­genen Vater zürnt. Auch die Spre­cher in Ne­ben­rollen wie die derben, tumben, Mundart re­denden Wärter, die sich mehr für Wein, Weib und Ge­sang als für das dra­ma­ti­sche Ge­schehen im Kö­nigs­haus in­ter­es­sieren, reißen den Hörer mit.

Mit dieser ein­dring­li­chen "An­ti­gone" ist den Re­gis­seuren Steck/Schäfer großes Theater ge­lungen. Nicht al­lein, dass sie durch eine tem­po­reiche und span­nungs­ge­la­dene Insze­nie­rung einem alt be­kannten Stoff neue Seiten ab­ge­winnen. Sie be­weisen auch feines Ge­spür für eine stim­mige Rol­len­be­set­zung und für die ab­surden Zwi­schen­töne, die Anouilhs Fas­sung so un­ver­wech­selbar ma­chen. Für einen an­spruchs­vollen Hör­ge­nuss sorgt auch die In­stru­men­tal­musik von frim­fram col­lec­tive, die Ge­fühl­slagen der han­delnden Prot­ago­nisten mo­ti­visch auf­greift und un­ter­schied­lich zum Ein­satz kommt. Zum einen sind zen­trale Pas­sagen mu­si­ka­lisch un­ter­legt, zum an­deren mar­kieren die Kom­po­si­tionen wich­tige Sze­nen­wechsel, die wie­derum dem er­grif­fenen Hörer kurze Atem­pausen in einem hit­zigen Ge­schehen bieten.

Jean Anouilh: An­ti­gone. 2 CDs in Je­welbox, Lan­gen­Müller/Hör­buch

Siehe hierzu auch das Ge­spräch mit Jo­hannes Steck (Au­toren-Ge­spräche)

 

Kommentare

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  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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