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Wenn du eine Brücke sprengst, bau eine Brücke. Ein Vietnam-Veteran bezieht Position

Eine ge­wich­tige Stimme, die uns mahnen will, dass krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­­set­zungen nie Sieger, son­dern nur Opfer kennen, er­hebt sich mit dem Vi­etnam-Ve­te­ranen Claude Anshin Thomas. Sein Über-Le­bens­be­richt "Am Tor zur Hölle", der in er­wei­terter Neu­aus­gabe und mit einem kun­digen Vor­wort von Ro­bert Atzorn vor­liegt, ist Mah­nung, Ana­lyse und Frie­dens­bot­schaft. - Thomas geht weit über eine Be­schrei­bung seiner trau­ma­ti­schen Er­fah­rungen hinaus, die er als 19-Jäh­riger Mann­schafts­führer von Kampf­hub­schrau­bern in Vi­etnam bei mehr als 625 Ge­fechts­stunden und Kampfe­in­sätzen ge­macht hat. Nach seiner Heim­kehr ge­hörte er zu den Halt­losen, die nach dem sinn­losen Töten nicht mehr Fuß fassen konnten. All­mäh­lich zog er aus den Er­leb­nissen und der Schuld, die er als Soldat auf sich ge­laden hatte, die Ge­wiss­heit, dass es kein Recht zum Töten, keinen Un­ter­schied zwi­schen guter und schlechter Ge­walt und keine Moral oder Red­lich­keit im Krieg gibt.

 

Ent­schei­dend für seine Ein­sicht, dass Krieg das Han­deln ist, das aus Leiden re­sul­tiert, und Männer und Frauen glei­cher­maßen die Saat des Krieges in sich tragen, war die Be­geg­nung mit Thich Nhat Hanh. Der vi­et­na­me­si­sche Zen-Meister lei­tete den trau­ma­ti­sierten Thomas an, den Wur­zeln von Ge­walt, Zer­stö­rung und Miss­brauch nach­zu­gehen. An der ei­genen Le­bens­ge­schichte legt Thomas die Spuren der Ge­walt offen, die bei ihm (wie bei vielen an­deren) in früher Kind­heit an­ge­legt wurden und der Vor­be­rei­tung zum Kampf dienten. Exem­pla­risch ana­ly­siert er, wie krie­ge­ri­sche Men­ta­lität ent­steht und schil­dert ein­dring­lich die De­mü­ti­gungen, die wäh­rend seiner mi­li­tä­ri­schen Aus­bil­dung ihr Üb­riges taten, um den blut­jungen Sol­daten dazu zu bringen, als ent­mensch­lichte Tö­tungs­ma­schine zu funk­tio­nieren. Thomas ist ein Hoff­nungs­träger, weil es ihm ge­lungen ist, den Irr­sinn zu über­winden. Heute be­zieht er als so­zial en­ga­gierter Bud­dhist und Stimme der Ge­tö­teten und Ge­fal­lenen de­zi­diert Po­si­tion.

 

Claude Anshin Thomas: Am Tor zur Hölle. Der Weg eines Sol­daten zum Zen-Mönch, The­seus Verlag

 

Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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