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Der Affe als Sohn. Über Michael Crichtons Roman "Next".

Früher habe ich die Ro­mane von Mi­chael Crichton ver­schlungen, denn dieser Autor war oft sehr gut darin, klas­si­sche Gru­sel­mo­tive mit neuesten wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nissen zu ver­binden. So wurden aus drögen Er­kennt­nissen span­nende Ro­mane, die al­ler­dings mit einer ge­wissen Vor­sicht zu ge­nießen waren. Mein Lieb­lings­buch ist wei­terhin eines seiner ersten: In "An­dro­meda" (The An­dro­meda Strain, 1969) bringt ein Sa­tellit bei seiner Rück­kehr zur Erde einen töd­li­chen Virus aus dem All mit.

Und nein, "Ju­rassic Park" habe ich nicht ge­lesen.

Dann kam dieser un­säg­liche Öko-Thriller "Welt in Angst", in dem eine Um­welt-Or­ga­ni­sa­tion einen Kli­ma­wandel her­bei­bombgt, um das Spen­den­auf­kommen zu stei­gern. Nicht nur ein krudes Thema, son­dern auch ein ganz schlechtes Buch. Nie wieder wollte ich ein Werk von Crichton lesen, doch dann fand ich im Ramsch eines, das von Un­tersee-Aliens er­zählt, und das hat mich mit dem Autor ver­söhnt.

So­weit die Vor­ge­schichte zu meinem Next-Er­lebnis. Der vor ein paar Jahren er­schie­nene Roman „Next“ be­han­delt das sehr ak­tu­elle Thema Gen­technik, das die ver­schie­densten Ängst weckt: Nicht zum ersten Mal ge­lingt es dem Autor, ein Buch aus­schließ­lich über sein Thema zu ver­kaufen. Ein mein An­sicht nach schlechtes Buch zudem. Es hat keine rechte Hand­lung, son­dern er­zählt in vielen ver­schie­denen par­al­lelen Strängen von ty­pi­schen Gen­technik-Pro­blemen, zum Bei­spiel davon, wel­ches Un­heil Gen­pa­tente aus­lösen können. Leider lang­weilt man sich die ganze Zeit, denn im Ge­gen­satz zum Flug­blatt ist in einem Roman in erster Linie die Ge­schichte wichtig, und die findet hier so gut wie nicht statt.

Manchmal wird es ge­ra­dezu lä­cher­lich, zum Bei­spiel wenn es um einen Chim­pansen mit mensch­li­chen Genen geht. Si­cher könnten solche Wesen in Zu­kunft denkbar sein, doch dass ein sol­cher Mensch-Schim­panse eine nor­male ame­ri­ka­ni­sche Grund­schule be­sucht, wirkt doch sehr un­glaub­haft.

Also Finger weg von "Next"! Gen­tech­ni­sche ver­än­derte Ro­mane schme­cken auch nicht besser als Gen-Mais oder Gen-Soja.

Mi­chael Crichton, Next, Karl Bles­sing Verlag, 2007

 

Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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