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2030 - Quo vadis, Deutschland?

Seit drei Jahr­zehnten legt Horst W. Opa­schowski im Zehn­jah­res­rhythmus rich­tung­wei­sende Stu­dien zur zukünf­tigen Ent­wick­lung Deutsch­lands vor. Dabei sieht er sich in der Pflicht, Ori­en­tie­rungs­hilfen für Ent­schei­dungsträger zu er­ar­beiten, damit zu­kunfts­ori­en­tierte Pro­zesse in Wirt­schaft, Po­litik und Ge­sell­schaft in Gang ge­setzt werden. Ent­spre­chend fo­kus­sieren seine Pu­bli­ka­tionen vor­wie­gend solche Brenn­punkte und Kon­flikt­felder, bei denen drin­gender po­li­ti­scher Hand­lungs­be­darf be­steht. So auch die Studie „Deutsch­land 2030“, die sich 16 The­men­kom­plexe unter die Lupe nimmt: Wohl­stand, Ar­beit, Konsum, Um­welt, Me­dien, Sport, Er­lebnis/En­ter­tain­ment, Ur­laub, Wohnen, Kultur, Bil­dung, Ge­ne­ra­tionen, So­ziales, Werte, Vor­sorge und die Zu­kunfts­for­schung selbst.- Trotz einer un­miss­verständ­li­chen Ziel­set­zung, die sich aus dem Credo einer an ge­sell­schaft­li­chen Pro­zessen par­ti­zi­pie­renden Zu­kunfts­for­schung speist, ziehen nicht nur po­li­ti­sche Ent­schei­dungs­träger aus der wis­sen­schaft­li­chen Studie Ge­winn. Das al­lemal, weil die Dia­gnosen und Pro­gnosen fes­seln und das The­men­spek­trum weitläufig ab­ge­steckt ist. Neben ge­wich­tigen ge­sell­schafts­po­li­ti­schen, öko­no­mi­schen und so­zialen Fragen ana­ly­siert der Ver­fasser vielfältigste Be­reiche des All­tags­le­bens und der Frei­zeit­ge­stal­tung. Wie in den vor­aus­ge­gangen Stu­dien schaut Opa­schowski dem Volk auf’s Maul und die Finger.

 

Wohl­tuend ist, dass er in seinen Dar­le­gungen wei­test­ge­hend auf Fach­ter­mini ver­zichtet, einen leicht verständ­li­chen und völlig unprätentiösen Stil pflegt und sta­tis­ti­sche Daten und em­pi­ri­sche Fakten äußerst an­schau­lich auf­be­reitet. Eben dieser Leich­tig­keit und dem Um­stand, dass Zu­kunfts­pro­gnosen per se fas­zi­nieren, sind zu danken, dass das na­hezu 800-sei­tige Buch-Schwer­ge­wicht neben er­heb­li­chen Er­kennt­nis­ge­winnen von all­ge­meinem In­ter­esse auch Le­se­ge­nuss befördert. Das kann auch der ernüch­ternde Tat­be­stand nicht schmälern, dass Opa­schow­skis Dia­gnosen und Pro­gnosen viel­fach hoff­nungslos aus­fallen. So ge­sehen ist es mehr als drin­gend ge­boten, dass die po­li­ti­schen Ent­schei­dungsträger end­lich von ihrem Denken und Han­deln in Le­gis­la­tur­pe­ri­oden und Quar­tals­be­richten zu­gunsten zu­kunfts­fähiger und nach­hal­tiger Lösungen ab­sehen. – Be­denk­lich stimmt al­lemal, dass die öko­no­mi­schen und so­zialen Verände­rungen als be­droh­lich emp­funden werden und die Deut­schen mit Sorge einer pro­ble­ma­ti­schen Zu­kunft ent­ge­gen­sehen. Jeder Zweite bangt heute um seinen Le­bens­stan­dard. Fakt ist, dass die Bun­desbürger im ersten Jahr­zehnt nach der Jahr­tau­send­wende erst­mals seit der Währungs­re­form 1949 wieder ärmer ge­worden sind. In Kon­se­quenz daraus pro­gno­s­ti­ziert der Zu­kunfts­wis­sen­schaftler Horst W. Opa­schowski ein Um­denken vom quan­ti­ta­tiven zum qua­li­ta­tiven Wachstum, einen Ein­stel­lungs­wandel vom ma­te­ri­ellen „Immer-Mehr“ zum im­ma­te­ri­ellen „Immer-Besser“. Nicht mehr die Le­bens­stan­dard­stei­ge­rung werde vor­ran­giges Ziel sein, son­dern die Le­bens­qualität. Die Po­litik hätte dem wie­derum Folge zu leisten, indem sie den Bürgern an­stelle von Wohl­stand ein Leben in so­zialer Si­cher­heit ga­ran­tiert.

Horst W. Opa­schowski: Deutsch­land 2030. Wie wir in Zu­kunft leben, Güters­loher Ver­lags­haus

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  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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