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Die Bücher, die ich verlege, sind die Melodie, die ich selbst nicht singen kann

Li­sette Buch­holz und ihr per­sona verlag, vor­ge­stellt von Chris­tiana Puschak

Je weiter Li­sette Buch­holz forschte, umso un­verständ­li­cher er­schien ihr die Igno­ranz so vieler Deut­scher dieser dunklen Ver­gan­gen­heit gegenüber. „Ein­fach wei­terzu­ma­chen‘ als ob nichts ge­schehen wäre, emp­fand sie als „obszön“. Bestärkt durch die Do­ku­men­ta­tion „Der Pro­zess“ von Eber­hard Fechner aus dem Jahr 1984 stu­dierte sie die Le­bensläufe von Men­schen, die sich nicht in das na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche System hatten ein­binden lassen und ak­tiven wie pas­siven
Wi­der­stand ge­leistet hatten. An­dere hatten sich ge­zwungen ge­sehen, ins Exil zu gehen. Ihr unermüdli­ches Su­chen führte sie zu den kul­tu­rellen Leis­tungen der Deut­schen und Öster­rei­cher, die während der NS-Dik­tatur nicht mehr an die Öffent­lich­keit treten durften. So ent­deckte sie zahl­reiche, nicht mehr in Deutsch­land ver­legte Bücher, li­te­ra­ri­sche Werke, be­kannt als Exil­li­te­ratur.

Als sie auf eine Be­wer­bung für eine wei­tere Lehrtätig­keit im Aus­land eine Ab­sage er­hielt, kam sie auf die Idee, einen Verlag zu gründen, um den exi­lierten Au­to­rinnen und Au­toren eine Stimme zu geben, sie dem Ver­gessen zu en­treißen,und um un­be­kannte Texte aus dem Exil all­ge­mein zugäng­lich zu ma­chen. „Mein En­thu­si­asmus war von Sach­kenntnis un­getrübt‘ be­tont sie, wenn es darum geht, wie viel sie da­mals ahnte von den Tücken der Ver­lags­ar­beit. Statt­dessen gründete ihr Vor­haben auf „Wut und Sym­pa­thie. Wut über den Um­gang mit Emi­granten im Nach­kriegs-deutsch­land, Sym­pa­thie mit den Ver­trie­benen.“

Bei ihrer Suche nach fach­li­chem Rat traf sie auf den re­nom­mierten Exil­ver­leger Fritz Lands­hoff, den ehe­ma­ligen Leiter der deutsch­spra­chigen Ab­tei­lung des Que­rido-Ver­lags in Ams­terdam. Er emp­fahl ihr, das Ver­lags­pro­gramm mit dem Roman „Manja“ zu eröffnen, der 1938 unter dem Pseud­onym Anna Reiner bei ihm er­schienen war. Über eine Such­an­zeige konnte sie die Au­torin Anna Gmeyner in einem eng­li­schen Al­ters­heim aus­findig ma­chen. Sie er­hielt ihr Ein­verständnis, den Roman der deut­schen Öffent­lich­keit nach über vierzig Jahren wieder zugäng­lich zu ma­chen. In­zwi­schen liegt er in vierter Auf­lage vor sowie als Hörbuch, ge­lesen von Iris Berben.

Nach „Manja“ von Anna Gmeyner, dessen Her­aus­gabe als Grund­stein­le­gung ihres Ver­lages an­ge­sehen werden kann, er­schien der Roman „Die Ehe der Ruth Gom­pertz“ von Lili Körber. Bei ihren Re­cher­chen fiel der jungen Ver­le­gerin auf, dass Frauen, die vor und in den zwan­ziger Jahren er­folg­reich ge­schrieben und pu­bli­ziert hatten, noch weit mehr ins Ab­seits gedrängt worden waren als Männer. Das Aufspüren dieser ver­ges­senen Au­to­rinnen und ihrer Bücher lag Li­sette Buch­holz am Herzen. Es war mühselig, be­deu­tete Kleinst­ar­beit, Rück­schläge, Neu­be­ginn, Ge­duld und Durch­hal­te­vermögen. Es war aber auch „ein Aben­teuer, das süchtig ma­chen konnte“ und eine Be­rei­che­rung, Men­schen zu be­gegnen, die sie sonst nie­mals ge­troffen hätte.

In Ar­chiven und Bi­blio­theken förderte sie li­te­ra­ri­sche Zeug­nisse wie un­ge­druckte Ma­nu­skripte zu­tage, hinter denen sich Schick­sale ver­bargen, die jene schreck­li­chen Jahre do­ku­men­tierten und teil­weise zu ver­ar­beiten suchten. Im Laufe der Jahre kamen zu den aus­ge­gra­benen Ro­manen aus der Zeit des Exils ver­wandte Su­jets hinzu: Ly­ri­ke­rinnen der zwan­ziger Jahre, die später emi­grieren mussten, Titel zum Thema Wi­der­stand, Über­set­zungen aus den Spra­chen der im Zweiten Welt­krieg be­setzen Länder sowie ein Erzähl­band aus Is­rael. Geo­gra­fisch ge­sehen reicht ihr Pro­gramm „vom Po­lar­kreis bis zum Sinai“. Mitt­ler­weile sind 35 Titel er­schienen, die sie gemäß ihrer Ver­lags­phi­lo­so­phie und ihrem Be­rufs­ethos lie­ferbar hält, ei­nige von ihnen in zweiter oder dritter Auf­lage. Als Best­seller des Pro­gramms er­wiesen sich die Erzählungen „Jedes Tier kann es“ von Ruth Berlau, skur­rile wie bit­terböse Ge­schichten über die Liebe.

Die Bücher, die ich ver­lege, sind die Me­lodie, die ich selbst nicht singen kann," sagt Li­sette Buch­holz. Ihr „Pio­nier- und Ent­decker­geist‘ ihr ver­le­ge­ri­sches En­ga­ge­ment sowie die Sorg­falt ihrer Edi­tionen, die sich nicht nur auf die Ge­stal­tung, son­dern auch auf fach- und sach­kun­dige Nach­worte richten, wurden 2001 mit dem baden-würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­preis für li­te­ra­risch am­bi­tio­nierte klei­nere Ver­lage aus­ge­zeichnet.

Eine Quelle ihrer Zu­ver­sicht und In­spi­ra­tion sei das gute Verhältnis, das sie zu ihren Au­to­rinnen und Au­toren pflege. War es zu Be­ginn ihrer ver­le­ge­ri­schen Tätig­keit Eli­sa­beth Freund­lich, so ist es heute bei­spiels­weise Hazel Ro­sen­strauch. Doch auch die Kehrseite der Me­daille kennt Li­sette Buch­holz zur Genüge. Ohne die selbst­lose Un­terstützung von Freun­dinnen und die zusätz­liche Ar­beit als freie Lek­torin und Über­set­zerin könnte sie den Grund­satz „Meine Bücher sind nicht auf einen ak­tu­ellen An­lass be­zogen, sie sind auch in zehn oder zwanzig Jahren noch in­ter­essant“ nicht auf­recht­er­halten. Zu wünschen ist, dass Li­sette Buch­holz wei­terhin die Kraft und Aus­dauer hat, ihrer in­di­vi­du­ellen Linie be­harr­lich treu zu bleiben und mit wei­teren li­te­ra­ri­schen Kost­bar­keiten in ihrem an­spruchs­vollen Pro­gramm auf­zu­warten. ( Ab­druck im Bücher­Frauen Ma­gazin "Er­folgs­frauen" )

des Que­rido-Ver­lags in Ams­terdam. Er emp­fahl ihr,
das Ver­lags­pro­gramm mit dem Roman „Manja“ zu
erfnen, der 1938 unter dem Pseud­onym Anna Rei
ner bei ihm er­schienen war. ワber eine Such­an­zeige
konnte sie die Au­torin Anna Gmeyner in einem eng
li­schen Al­ters­heim aus­findig ma­chen. Sie er­hielt ihr
Ein­ver­st舅dnis, den Roman der deut­schen ヨf­fent
lich­keit nach ・er vierzig Jahren wieder zug舅g­lich
zu ma­chen. In­zwi­schen liegt er in vierter Auf­lage vor
sowie als H­buch, ge­lesen von Iris Berben.
Nach „Manja“ von Anna Gmeyner, dessen Her­ausga
be als Grund­stein­le­gung ihres Ver­lages an­ge­sehen
werden kann, er­schien der Roman „Die Ehe der Ruth
Gom­pertz“ von Lili Kber. Bei ihren Re­cher­chen fiel
der jungen Ver­le­gerin auf, dass Frauen, die vor und
in den zwan­ziger Jahren er­folg­reich ge­schrieben
und pu­bli­ziert hatten, noch weit mehr ins Ab­seits
ge­dr舅gt worden waren als M舅ner. Das Auf­sp・en
dieser ver­ges­senen Au­to­rinnen und ihrer B・her lag
Li­sette Buch­holz am Herzen. Es war m・­selig, bedeu
tete Kleinst­ar­beit, R・k­schl臠e, Neu­be­ginn, Ge­duld
und Durch­hal­te­ver­men. Es war aber auch
„ein Aben­teuer, das s・htig ma­chen konnte“
und eine Be­rei­che­rung, Men­schen zu begeg
nen, die sie sonst nie­mals ge­troffen h舩te.
In Ar­chiven und Bi­blio­theken f­derte sie li
te­ra­ri­sche Zeug­nisse wie un­ge­druckte Manu
skripte zu­tage, hinter denen sich Schick­sale
ver­bargen, die jene schreck­li­chen Jahre do
ku­men­tierten und teil­weise zu ver­ar­beiten
suchten. Im Laufe der Jahre kamen zu den
aus­ge­gra­benen Ro­manen aus der Zeit des
Exils ver­wandte Su­jets hinzu: Ly­ri­ke­rinnen
der zwan­ziger Jahre, die sp舩er emi­grieren
mussten, Titel zum Thema Wi­der­stand, ワber
set­zungen aus den Spra­chen der im Zweiten
Welt­krieg be­setzen L舅der sowie ein Erz臧l
band aus Is­rael. Geo­gra­fisch ge­sehen reicht
ihr Pro­gramm „vom Po­lar­kreis bis zum Sinai“.
Mitt­ler­weile sind 35 Titel er­schienen, die sie
gem葹 ihrer Ver­lags­phi­lo­so­phie und ihrem
Be­rufs­ethos lie­ferbar h舁t, ei­nige von ihnen
in zweiter oder dritter Auf­lage. Als Best­seller
des Pro­gramms er­wiesen sich die Erz臧­lungen
„Jedes Tier kann es“ von Ruth Berlau, skur­rile
wie bit­terbe Ge­schichten ・er die Liebe.
„Die B・her, die ich ver­lege, sind die Me­lodie,
die ich selbst nicht singen kann‘~ sagt Li­sette
Buch­holz. Ihr „Pio­nier- und Ent­decker­geist‘~ ihr
ver­le­ge­ri­sches En­ga­ge­ment sowie die Sorg­falt

 

Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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