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AUTOREN-GESPRÄCHE/ WAS AUTOREN ÜBER IHRE ARBEIT SAGEN

"Manja" - Ein Gespräch mit Iris Berben über die Hörbuch-Adapation

Wie ist es Ihnen er­gangen, als Sie den Roman erst­mals in Händen hielten?
Ich habe "Manja" atemlos in einem Zug ge­lesen. Mich be­ein­druckte sehr, dass Anna Gmeyner einen Bil­der­bogen ent­faltet, der die Ent­wick­lung Deutsch­lands zwi­schen 1920 und 1934 wirk­lich­keits­ge­treu ab­bildet. Fünf Fa­mi­lien aus un­ter­schied­li­chen so­zialen Mi­lieus spie­geln den mo­ra­li­schen und den po­li­ti­schen Zu­stand des Landes zur da­ma­ligen Zeit wider. Gmeyner be­schreibt die han­delnden Per­sonen, die ver­schie­denen so­zialen Mi­lieus und die da­ma­ligen Ver­hält­nisse sehr ge­wis­sen­haft. Ich wüsste nichts Ver­gleich­bares, was mich ähn­lich er­griffen hat. – Dieses Buch be­rührte mein Herz.
Das Buch wurde erst­mals 1938 im Que­rido-Verlag ver­öf­fent­licht…
Das Datum ist wichtig. Be­mer­kens­wert daran ist doch, dass die Gmeyner mit ihrem 1938 in Ams­terdam ver­öf­fent­lichten Deutsch­land­roman vor den Folgen und Aus­wüchsen des Na­tio­nal­so­zia­lismus ge­warnt hat. „Manja“ be­schreibt das schlei­chende Er­starken des Na­tio­nal­so­zia­lismus und das kol­lek­tive Weg­schauen.
Sie setzen sich per­sön­lich für die Ver­brei­tung von "Manja" ein. Warum?
Da ist zum einen die li­te­ra­ri­sche Qua­lität. Gmey­ners Kunst­griff, die Ent­wick­lungen in Deutsch­land am Bei­spiel von fünf Kin­dern aus un­ter­schied­li­chen El­tern­häu­sern auf­zu­zeigen und dabei deut­lich zu ma­chen, in­wie­fern Hal­tungen, die die El­tern­häuser vor­geben, das Ver­halten von Kin­dern prägen. Da ist aber auch die Gabe der Au­torin, sich in Kinder hinein zu ver­setzen. Ich denke an ihre lie­be­vollen und poe­ti­schen De­tail­be­schrei­bungen. Der Leser taucht re­gel­recht ein in kind­liche Er­fah­rungs­welten. Man kann hier Dinge ent­de­cken, die wir alle kennen – ent­weder noch von uns selbst oder von un­seren ei­genen Kin­dern. Mich be­rührte sehr, wie die fünf Kinder – Karl, Heini, Harry, Franz und Manja – ver­su­chen, sich gegen die El­tern und gegen die Wid­rig­keiten der Zeit zu stellen. Sie trotzen um ihrer Freund­schaft zur Jüdin Manja willen der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideo­logie und Pro­pa­ganda. Den­noch bleiben sie Ge­fan­gene ihrer Zeit und So­zia­li­sa­tion. Alle Fi­guren bei Gmeyner sind ge­fangen in ihren Rollen, in ihren Bil­dern, in ihren ge­sell­schaft­li­chen Stel­lungen…

 

Ein Gespräch mit Mariela Sartorius, Autorin von „Die hohe Schule der Einsamkeit“

In Ihrem Buch be­schreiben Sie, dass sich ein­same Men­schen in un­serer Ge­sell­schaft ebenso aus­ge­grenzt fühlen wie bei­spiels­weise Ar­beits­lose. Sie schämen sich dafür, al­leine zu sein. Ihr Plä­doyer for­dert ein ra­di­kales Um­denken. Glauben Sie wirk­lich, dass sich das Un­glück der ein­samen Herzen schmä­lert, wenn un­sere Ge­sell­schaft dem Al­lein­sein einen an­deren Stel­len­wert zollen würde?
Ja, das glaube ich. Der Ein­fluss von gän­gigen Mei­nungen ist fatal. Das Schwimmen zum Bei­spiel galt einmal als un­schick­lich, das Berg­steigen als Wahn­sinn – bis sich deren Image än­derte und eine  welt­weite Frei­zei­t­in­dus­trie daraus wurde, Fe­ri­en­glück, Le­bens­freude pur! Oder die Ho­mo­se­xua­lität: Sie galt als Krank­heit und Ver­bre­chen. Auch diese Ein­stu­fung ge­hört der Ver­gan­gen­heit an. Ich zi­tiere da gern im­mer  wieder den grie­chi­schen Phi­lo­so­phen Epiktet: Nicht die Dinge sind es, die uns quälen, son­dern un­sere An­sicht von den Dingen. Und An­sichten in Frage zu stellen, lohnt sich immer.
Ihr Pa­tent­re­zept die Ein­sam­keit zu über­winden, lautet: La­chen Sie der Ein­sam­keit ins Ge­sicht und kehren Sie deren beste Seiten heraus! Wie soll das in der Praxis funk­tio­nieren?
Das ist nur ein kleiner Schlenker meiner Vor­schläge: die Ein­sam­keit zu per­so­ni­fi­zieren, wie man es ja auch er­folg­reich mit un­an­ge­nehmen Dingen vom Lam­pen­fieber bis zu den Krebs­zellen tut. An­sonsten: Ich ver­teile keine Re­zepte, ge­schweige denn Pa­tent­re­zepte! Ich schil­dere meine Er­fah­rungen und Ein­sichten und stelle sie zur Dis­po­si­tion. Bevor man sich zu Tode lang­weilt oder in Tränen ver­sinkt ob seiner Ein­sam­keit kann man immer noch ei­nige der von mir er­probten Ex­pe­ri­mente aus­pro­bieren. Viel­leicht ver­bes­sert es die Stim­mung, viel­leicht macht es sogar Spaß. Wichtig ist, sich dem zu stellen, was einem Angst macht.

 

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Kommentare

  • Der hat im Herbst 2008 als Debütant in Deutschland...
  • Danke für den Tipp, Tiniaden. Nie von diesem Autor...
  • Joachim Kaiser nannte die Haskil, die ab ihrer Pub...

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